MARIA MUSS PACKEN


WEITERE INFORMATION

eksmisja

FILMMUSIK: THALIJA (link)

SYNOPSIS durch das Unabhängige Filmfest Osnabrück

Berührende Dokumentation über ein ungewöhnliches polnisches Ehepaar, das im hohen Alter seine vertraute Heimat verlassen muss. Maria (81), eine lebenslustige und stets optimistische Frau, und ihr Ehemann Tadeusz (80), ein stiller Wissenschaftler und Fatalist, sind gezwungen ihre Wohnung, in der sie 66 Jahre zusammen gelebt haben, zu verlassen. Vor dem Hintergrund dieser persönlichen Katastrophe tauchen schmerzvolle Erinnerungen an vergangene Zeiten wieder auf, die exemplarisch für die Leiden vieler Polen stehen. Ihr Enkel, zugleich der Regisseur dieses Films, steht ihnen bei und begleitet sie in diesen schwierigen Momenten. „MARIA MUSS APCKEN“ ist nicht nur ein Film über Gerechtigkeit und Gleichheit, sondern darüber hinaus eine aktuelle Beschreibung der sozioökonomischen Veränderungen und des Mentalitätswandels, die sich in Polen vollziehen und unter denen vor allem die ältere Generation leidet.

STATEMENT DES REGISSEURS

Die Idee für den narrativen Ausgangspunkt dieses Films wurde konkreter, nachdem ich den österreichischen Film „The End of Neubacher Project“ von Marcus Carney gesehen habe. Es ist die Geschichte von einem jungen Filmemacher, der zurück nach Hause und zur Geschichte seiner Kärntner Großeltern reist und dabei ihre immer noch vorhandene nationalsozialistische Einstellung entdeckt.
Im Fall von 'MARIA muss packen' wollte ich eine Reise in die entgegengesetzte Richtung machen und die Geschichte meiner polnischen Großeltern filmen. Da ich vor über zwanzig Jahren nach Österreich emigrierte, war dies auch eine gewisse Heimkehr.

Nachdem unsere Familie die Nachricht von der Kündigung des Mietverhältnisses von Maria und Tadeusz erfuhr, mussten wir realisieren, dass der Ort den wir 'Zuhause' nannten, in Gefahr ist – ein Ort, in dem nicht nur der Großteil unserer Familie aufgewachsen ist, sondern auch ein Ort, wo wir unsere Kindheit verbrachten und viele gute und schlechte Momente durchlebten. Es ist ein Ort in den wir quasi 'hineingewachsen' sind und mit dem wir verbunden sind, wie mit nichts vergleichbaren. Wir mussten uns mit der Tatsache abfinden, dass dieser Ort wahrscheinlich für immer verschwinden wird. Dieses Gefühl war unzumutbar.
Meine Mutter und ich zogen bereits viele Jahre zuvor aus dieser Wohnung aus, aber für unsere Ältesten, Maria und Tadeusz, bedeutete dieser Ort nicht nur 66 Jahre an Erinnerungen – er war allgegenwärtig in ihrem Leben, jeden Tag, seit jeher.

Es wurde mir klar, dass es zwei Themen gab, die es zu porträtieren galt. Zum Einen musste ich unser Zuhause dokumentieren, mit all seiner persönlichen Geschichte und zum Anderen musste ich probieren, die Meinung der neuen Vermieterin zu ändern. Alles begann im August 2010.

Das ursprüngliche Konzept des Filmes war für einen 30-minütigen, dokumentarischen Essay gedacht. Aber als während den Dreharbeiten ungeahnte Familiengeschichten aus der Vergangenheit ans Licht kamen, stellte sich schnell heraus, dass eine klassische dokumentarische Narration, die einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann, wohl die bessere Wahl sei.
Meine Bemühungen, den neuen Hauseigentümer zu finden, schritten voran, aber es schien unmöglich, persönlichen Kontakt zu dieser Person aufzunehmen. Die (wohlhabende) polnische Eigentümerin (mit einem deutschen Namen) versteckte sich hinter ihrer Firma, die rein aus einem Briefkasten und ein paar Anwälten bestand. Diese bewahrten sie effektiv vor jeglicher Konfrontation mit dem Ausmaß ihrer Taten. Aus diesem Grund war es nie möglich, sie mit den Konsequenzen ihres Handelns zu konfrontieren – dass zwei Menschen ihre Gesundheit, oder sogar ihr Leben verlieren könnten, durch ihren psychologischen Druck und das Fehlen jeglicher Empathie für die beiden – zwei alte und kranke, hilflose Menschen.
Obwohl ich im sozial gesicherten Österreich aufgewachsen und erzogen wurde, fühle ich mich immer noch als Pole, der gleichzeitig aber auch eine Außenperspektive zu Polen hat. Ich fragte mich, wie Menschen diesen Alters aus ihrer Wohnung rausgeschmissen werden können? Natürlich gibt es ein festgeschriebenes Mieterschutzgesetz, welches jedoch zulässt, dass Menschen gezwungen werden können, ihre Wohnung zu räumen.

Während der polnischen sozialistischen Periode wurden Wohnungen vom Staat zugeteilt. Genauso hat Maria ihre Wohnung bekommen. Es gab zwar privates Eigentum, jedoch hatte man keine Rechte dafür.
In den 90ern wurde das Gesetz geändert und Eigentum ist seither gut geschützt. Diese Tatsache führte zu einer höchst aggressiven Situation zwischen neuen Eigentümern und alten Mietern.
Nachdem ich monatelang selbst Teil dieses Kampfes war, konnte ich den immer schlechter werdenden Gesundheitszustand und Energieverlust von Maria und Tadeusz beobachten. Manchmal scheint es, dass sich Geschichte wiederholt und wir froh sein können, eine richtige Entscheidung in der Gegenwart getroffen zu haben: es sich leisten zu können, einen Schritt zurückzugehen, auszuweichen. Aber was ist mit den anderen Menschen, die nicht dasselbe Glück teilen?

Jeden Tag wird von uns verlangt, uns zu fragen, welche Entscheidungen wir treffen sollen. Wie lebt man in einer selbst-zentrierten Welt, in der jeder auf sich selber zu schauen hat?
Seit dem Zusammenbruch des Ost-Block-Sozialismus, mit seinen Idealen - gesichert von einer Diktatur, haben wir gelernt, dass Gleichheit nicht erzwungen werden kann - von keiner Art von System. Tatsächlich muss es die Verantwortung jedes Individuums sein, sich in Bescheidenheit zu üben. Es bleibt aber immer noch die Frage: Wo endet die 'Gewinnerzone' und wo beginnt der Verlust?
Wenn ein Staat, der auf einem freien Markt basiert, die Antwort auf unseren verdienten Wunsch nach individueller Freiheit ist, und der am meisten 'demokratische'-Ansatz als jener gesehen wird, der die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellt – wieso sind wir nicht eine Gesellschaft des sozialen Friedens geworden? Beeinflusst der ständige Druck von Wachstum, Profit und Ausbeutung in einem freien Markt bereits unseren Verstand und unseren Verantwortungssinn?

Mit diesen Fragen im Kopf, folgt der Film nicht nur der eigentlichen Tragödie von einem Zuhause, das rücksichtslos zwei alten Menschen genommen wird. Er zeichnet eine persönliche Geschichte von Ungleichheit, die bereits vor 1945, als Maria Malinowska in die Wohnung zog, nachdem sie als Kind zur Zwangsarbeit während der Nazi-Besetzung Polens genötigt wurde.
Die Charaktere von Maria und Tadeusz könnten nicht gegensätzlicher sein – extremer Optimismus versus starrem Pessimismus. Trotzdem waren beide beeinflusst von Ungerechtigkeit und diskriminierender Gewalt, die sie während des ehemaligen faschistischen Regimes erleiden mussten. Ihr Vermächtnis an Erfahrung ist unsere persönliche Geschichte.
In einer dialektisch parallelen Struktur erzählt der Film drei persönliche Geschichten über Individuen, die ungeachtet des Herrschaftssystems, in dem sie lebten, freie Wahl hatten, ihre Macht über andere Menschen für oder gegen Humanität einzusetzen.

Während der Nazi-Besetzung war die Gesellschaft durch rassistische Ansichten geteilt. Danach, im Stalinistischen Regime, kontrollierte eine kleine politische Elite ganze Staaten, indem sie sie zwangen, ihre verengte Sichtweise einer 'besseren Gesellschaft' umzusetzen. Im heutigen kapitalistischen Polen ist der Unterschied zwischen Machthabenden und Machtlosen, immer noch schockierend. Das Leben wird bewertet und Menschen werden nach ihrem materiellen Wohlstand beurteilt und so scheint für viele das wichtigste und oft auch einzige Ziel zu sein, Sicherheit und Stabilität im Leben zu erreichen.
Dem Film zufolge müssen wir realisieren, dass es in einer Gesellschaft, die eine 'laissez-faire' Haltung gegenüber Menschen hat, die im Namen der wirtschaftlichen Freiheit anti-soziale Maßnahmen ergreifen, immer Opfer geben wird.

Neo-liberale Politiker können in einer von Materialismus-gesteuerten Gesellschaft nicht auf individuelle Bescheidenheit hoffen. In der gleichen Weise können viele Menschen ihre ursprünglichen, egoistischen Instinkte während der Besatzungszeit nicht überwinden.
Wenn dieser Film und die darin vorkommenden Charaktere Menschen dahingehend beeinflussen können, zu sehen, welche Entscheidungen im Leben wertlos sind und diejenigen hervorhebt, die wirklich zählen, hat er sein Ziel erreicht. Es wäre toll, wenn das klar hervorgeht. Ich möchte im Zuge dessen auf „Un question humaine“ von Michael Klotz verweisen, der bei der Viennale gelaufen ist und auf das Theaterstück „(A)Pollonia“ von Krzysztof Warlikowski, welches im Rahmen der Wiener Festwochen gezeigt worden ist. Beides hat meinen Blick auf dieses Projekt beeinflusst – Danke.

Filip Antoni Malinowski (Übersetzt aus dem Englischen von Martina Priglinger)

CV FILIP A. MALINOWSKI

Filip Antoni Malinowski, geboren 1982 in Polen, lebt bereits seit über 20 Jahren in Wien, wo er Film- und Medienwissenschaften studiert hat. „MARIA MUSS PACKEN“ ist sein erster Dokumentarfilm und zugleich eine persönliche Geschichte über seine Herkunft und wurde von der von ihm mitgegründeten Firma Soleil Film GmbH produziert.

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